Prinzessinnen und Bankräuber:

Rollenbilder bei Playmobil

Bei Playmobil hatten von Anfang an Jungs Pistolen und Mädchen Prinzessinnenkleider. Mit der Wirklichkeit hat das wenig zu tun. Aber jetzt gibt es Hoffnung: Spielsets mit „starken Frauen“.

In einem Kinderzimmer spielt ein Mädchen in rosa Kleidern mit einer rosa Puppe. Daneben stehen ein rosa Regal und ein rosa Schreibtisch, auf dem eine goldene Krone liegt. Das ist kein echtes Kinderzimmer, nein. Es ist das Spielset „Mädchenzimmer“ von Playmobil: „Welches kleine Mädchen träumt nicht von einem echten Prinzessinnenzimmer. Dieses tolle Einrichtungsset macht Prinzessinnenträume wahr!“

Das Playmobil-Set Mädchenzimmer im „Prinzessinnnenstil“ © Screenshot von playmobil.at

Kinder lernen und übernehmen Rollenbilder

Pinkifikation oder Gender Marketing wird genannt, was der Hersteller mit diesem Set betreibt. Seit 1974 am Markt, ist Playmobil weltweit erfolgreich. Gegner:innen kritisieren die klischeehaften Rollen, die Spielzeughersteller:innen wie Playmobil den Kindern aufdrängen. Denn das ist das Problem: Kinder lernen Rollenbilder kennen und übernehmen sie. Tatsächlich ist das von der Firma so gewollt. Sie bezeichnet ihr Produkt als „Rollenspielzeug“. Ob Feuerwehrmann oder Prinzessin, Pirat oder Reiterin: Kinder sollen beim Spielen unterschiedliche Rollen imitieren.

Das Playmobil-Set Jungenzimmer stellt männliche Rollenbilder nach. © Screenshot von playmobil.at

In einem anderen Kinderzimmer: Ein Junge spielt mit einem Schwert und einem Fernglas. Er hat eine Augenklappe. Aus seinem Hosenbund ragt eine Pistole und er trägt ein Tuch mit Totenkopf. Die Möbel im Raum sind blau gehalten. Hier haben wir es nun mit dem Playmobil-Produkt „Jungenzimmer“ zu tun: „Für alle Piratenfans gibt es das farbenfrohe Piratenzimmer. Das Hochbett gleicht einer Piratenfestung mit Strickleiter und Klammeraffe, es gibt eine Schatztruhe mit Gold sowie ein Miniaturschiff, eine Schatzkarte, ein Fass und viele weitere piratenstarke Extras.“

Bereits die Farbzuordnungen stechen ins Auge. Aber es werden den Buben und Mädchen bei Playmobil noch ganz andere Dinge zugeordnet. Für Mädchen gibt es glänzenden Schmuck und ein schönes rosa Kleid. Ihnen wird ein Zustand angeboten: schön sein. Für Buben sind hingegen Aktivität und Abenteuer reserviert. Dazu gehört auch die Ausstattung mit Waffen. 

Seit Jahrzehnten bei Playmobil

Fragwürdige Rollenzuweisungen an Buben und Mädchen gibt es in den Sets von Playmobil seit Jahrzehnten. Ein Blick auf die Produkte aus dem Jahr 1990 zeigt das: In einem Freizeitpark spielen ein blau angezogener Junge und ein rosa angezogenes Mädchen. Ein anderer Bub ist unterwegs im Wilden Westen und ein Mädchen steht chic angezogen vor einem Puppenhaus.

Diese Art von Spielzeug erzeugt beim Spielen problematische Rollenbilder in den Köpfen der Kinder. Sie bremsen die Bemühungen um Gleichberechtigung. Deshalb ist die Kritik begründet. Es kann nicht die Rolle von Frauen sein, das (Puppen)Haus schön und sauber zu halten, während die Männer ins Abenteuer ziehen. 

Es gibt Hoffnung

Auch bei Playmobil gibt es aber Anzeichen für einen Wandel. Seit 1997 hat die Firma „starke Frauen“ im Repertoire, etwa eine Polizistin. Das Set „Designerküche“ liefert als einzige Spielfigur einen Mann, der kocht. Das zeigt Veränderung, aber auch ihre Grenze – im Spiel wie in der Gesellschaft, die von Playmobil nachbildet wird: Wenn schon Mann plus Kochen, dann muss die Küche mehr bieten als einen Schauplatz für die Alltagsversorgung.

Das Spielset „Banküberfall“ ordnet sich in diese Entwicklung ein: Mit Sonnenbrille, aufgestelltem Kragen und einer Pistole in der Hand überfällt eine Frau gerade eine Bank. Ängstlich reicht der Bankangestellte der Räuberin die Geldscheine. Ohne pinke Sneakers geht es bei dieser weiblichen Spielfigur trotzdem nicht. 

© wasbishergeschah.at