„Wilde Streiks“ und Hunger­krawalle:

Frauen gegen den Krieg

Wie Frauen halfen, den Ersten Weltkrieg zu beenden. 

Die 23-jährige Berta Pölz sitzt bei schwachem Kerzenlicht im Keller. Sie verfasst ein Flugblatt für den erwarteten Streik. Heimlich drucken und vervielfältigen ihre Genoss:innen das Blatt. Die Druckertinte haben sie gestohlen.  

Warum streiken die Menschen? 

Der Krieg verschlechtert drastisch die Versorgungssituation für die Bevölkerung. Missernten und der eingeschränkte Güterverkehr sorgen für leere Regale. Brot, Zucker, Kaffee und Fett werden nur mehr rationiert ausgegeben. 

Es gibt so wenig zu essen, dass die Menschen stark an Gewicht verlieren. Der Hunger treibt sie bald auf die Straße: Frauen und Jugendliche demonstrieren, sie plündern Märkte und Geschäfte. Frauen organisieren auch Streiks. Sie haben den Platz der Männer in den Rüstungsbetrieben eingenommen. 

„Friede, Freiheit, Brot“ 

Im Jänner 1918 werden die Mehlrationen halbiert. Die Stimmung kippt endgültig. Berta Pölz, die in einem Wiener Rüstungsbetrieb arbeitet, tritt als eine der Organisatorinnen des Jännerstreiks hervor. Im Betrieb ist ihre antimilitaristische und revolutionäre Haltung schon lange bekannt. Sie verteilt Flugblätter und animiert die Streikenden zur Bildung von Arbeiterräten. 

Die Streikbewegung fordert das Ende des Krieges, eine gerechte Verteilung der Lebensmittel und die Aufhebung der „Militarisierung“ – also der militärischen Zwangsverwaltung aller Lebensbereiche.  

Wenn es nach Berta Pölz geht, soll der Streik dauern, bis Frieden geschlossen wird. Stattdessen setzt die Parteiführung der Sozialdemokratie den Abbruch des Streiks durch. Das Sterben an der Front geht noch bis November 1918 weiter. Bis dahin sind vor allem Frauen die treibende Kraft der Antikriegsbewegung in Österreich. Ihre Not zwingt sie zum Handeln. 

Quellen:  

Li Gerhalter/Ina Markova, Geschlechterspezifische Un_Ordnungen in Österreich, in: Zeitgeschichte 48/4 2021, 481–504. 

Veronika Helfert, „Unter Anführung eines 13jährigen Mädchens“. Gewalt und Geschlecht in unorganisierten Protestformen in Wien während des Ersten Weltkrieges, in: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung 2/2014, 66–82. 

Gabriella Hauch, „Von Schwestern und Genossinnen“. Handlungsspielräume von Frauen in den Revolutionen 1848 und 1918, in: Mitteilungen der Alfred-Klahr-Gesellschaft, 5/4 1998. 

https://www.klahrgesellschaft.at/Mitteilungen/Hauch_4_98.html  

Käthe Kollwitz: Nie wieder Krieg, Wikipedia gemeinfrei © https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/d/de/K%C3%A4the_Kollwitz_Nie_wieder_Krieg.jpeg
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