Wer fürchtet sich noch vor Geistern? Neben den Monstern aus Horrorfilmen kommt einem jedes Gespenst harmlos vor. Philipp Matthäus Hahn war vor 250 Jahren nicht von Gruselfilmen abgehärtet. Angst verspürt der Pastor trotzdem keine, wenn er immer wieder seiner toten Frau Anna Maria begegnet. Er trifft die Verstorbene nur in seinen Träumen. Den Ablauf schreibt er in seinem Tagebuch auf.
In einem dieser Träume ist das Paar in einer Gaststätte. Das Lokal ist völlig überfüllt. Hahn versucht Anna Maria davon zu überzeugen, dass sie mit ihm den Ort verlässt. Sie weigert sich.
Indem der Pfarrer in sein Tagebuch schreibt, verarbeitet er den Verlust seiner Ehefrau. In vielen Träumen kommen Konflikte zwischen den beiden vor. Das Verhältnis des Ehepaars zueinander war schwierig. Indem Hahn seine Träume wiedergibt, kann er das zugeben.
Die Schmerzen einer Toten sind für Hahn nicht absurd. Im Gegenteil: Der Traum zeigt, wie das Leben nach dem Tod aussieht. Die Verstorbenen haben weiterhin einen Körper. Er kann durstig oder krank sein. Die Toten glauben, dass sie immer noch leben. Sie wohnen mit Familie und Freunden zusammen.
Hahn hat religiöse Texte über die Wiederauferstehung geschrieben. Er behauptet, dass die verstorbenen Menschen beim Weltende von Gott einen neuen Körper bekommen. Das Leben nach dem Tod im Traum ähnelt diesen Überlegungen sehr. Haben die Träume die religiösen Überzeugungen des Pfarrers beeinflusst? Oder verwerten die Träume, was Hahn tagsüber gedacht hat? Wahrscheinlich stimmt beides.
Träume gelten inzwischen als Zeichen von unterbewussten Gedanken und Wünschen. So kann man auch die Eintragungen im Tagebuch von Philipp Matthäus verstehen. Sie sind aber auch mehr. Er setzt sich mit der Trauer und dem Leben nach dem Tod auseinander.