: Gemälde einer hügeligen, leicht mit Schnee bedeckten Landschaft, im Vordergrund vier Mammuts, rechts daneben ein toter Hirsch und zwei Raubkatzen, daneben ein Wollnashorn. Am linken Bildrand vier Urpferde.  © Wikimedia

Mammuts unterm 

Stephans­dom

Wo in Wien heute Menschen shoppen gehen, haben in der Eiszeit Mammutherden gegrast. Immer wieder kommen Überreste dieser Riesen zum Vorschein. 

Februar 2023, Wien: Bei Grabungen für eine neue U-Bahn-Linie entdecken Arbeiter in 13 Metern Tiefe einen riesigen Zahn. Wenig später bestätigt das Naturhistorische Museum: Es handelt sich um den Stoßzahn eines Mammuts.

Seit auf Wiener Boden gebaut wird, kommen bei Grabungen Mammutreste zum Vorschein. Lange Zeit rätseln die Menschen über die Funde. Sie vermuten Knochen von Riesen und Fabelwesen. Die meisten mittelalterlichen Funde sind verloren gegangen. Eine Ausnahme ist ein 86 Zentimeter langer Oberschenkelknochen eines Mammuts. Ihn haben Arbeiter bei Aushubarbeiten für den Stephansdom gefunden. Der Legende nach stammt der Knochen von einem Riesen, der beim Bau der Kirche geholfen hat und sich sogar taufen ließ. Damals verewigen sich die Herrscher auf dem Knochen. „AEIOU“ ist auf einer Seite eingeritzt. Es steht für den Wahlspruch von Kaiser Friedrich III. Die andere Seite zeigt das Jahr des Fundes: „1443“.

Der Mammutknochen wird zum heiligen Objekt: Damals hängt es an einer Kette im Stephansdom vom Giebel des Haupttors. © Geologisches Archiv der Universität Wien

Erst mit der Aufklärung beginnen sich Gelehrte und Adelige für die Fossilien zu interessieren und sammeln sie. Im 19. Jahrhundert werden daraus die wissenschaftlichen Sammlungen. Die meisten Überreste findet man schließlich in der „Gründerzeit“. Damals werden unzählige Gebäude errichtet. In den Baugruben und Steinbrüchen, beim Schotterabbau und in den alten Ziegelgruben legen Arbeiter Knochen und Zähne frei.

Wiener Mammut-Steppe

Die meisten Funde werden auf der „Stadtterrasse“ gemacht. Diese Bodenschicht ist entstanden, weil die Donau Löss über dem Schotter abgelagert hat. Auf dem Niveau der Stadtterrasse liegen heute Innenstadt, Zentralfriedhof, Hauptbahnhof und Westbahnhof. Auch der neueste Fund ist gleich hinter der Universität im Stadtzentrum ausgegraben worden.

Auf diesem Gebiet leben bis vor 12.000 Jahren große Mammutherden. Die eiszeitlichen Elefanten durchstreifen nicht nur Sibirien, sondern sind von Spanien bis China über ganz Eurasien verbreitet und auch in Nordamerika heimisch. Im Wiener Becken befindet sich während der letzten Kaltzeit eine Steppe, in der fast keine Bäume wachsen. Die Mammuts ernähren sich von Gräsern und Kräutern. Wegen der Trockenheit gibt es auch im Winter wenig Schnee. Heftiger Wind pfeift schon damals über die Landschaft.

Weiterführend:

Thomas Hoffmann/Mathias Harzhauser, Wo die Wiener Mammuts grasten. Naturwissenschaftliche Entdeckungsreisen durch das heutige Wien, Wien 2016.