Hallstatt in der Eisenzeit: Männer, Frauen und Kinder arbeiten gemeinsam unter Tage. Sogar ihre Babys nehmen die Familien mit in die Salzminen unter der Erde, obwohl es dort kalt und feucht ist. Der Salzabbau ist anstrengend und ungesund: Fackeln beleuchten die Minen, sodass ständig Rauch in der Luft liegt. Die Menschen sind häufig krank. Noch heute zeigen ihre Skelette die Spuren chronischer Entzündungen in der Nase, den Nebenhöhlen und dem Kiefer.
Bereits in der Bronzezeit wird in Hallstatt Salz abgebaut. Die Menschen, die hier leben, verbringen viel Zeit unter der Erde. Sie errichten Minen und bauen Salz ab. In großen Schächten schlagen sie das Salz aus dem Berg und zerteilen es in kleine Stücke. Ihre Hände schützen sie mit Lederstücken. Durch Tunnel bringen sie den wertvollen Rohstoff an die Oberfläche.
Die Menschen in Hallstatt haben damals ein Monopol auf den Salzabbau in der Region. Im Umkreis von mehreren hundert Kilometern sind sie die einzigen, die Salzminen betreiben. Sie treiben Handel mit weit entfernten Orten.
Später in der Eisenzeit besteht in Hallstatt eine der größten Gesellschaften in Zentraleuropa. Auch diese Menschen leben vom Abbau und Handel mit Salz. Sie nützen aber andere Techniken als ihre Vorfahren in der Bronzezeit: Das Salz wird nun in großen Blöcken abgebaut und transportiert.
Das Salz in den Bergen um Hallstatt ist auch der Grund, warum wir heute so viel über die Arbeit der Menschen wissen, die dort vor mehreren tausend Jahren gelebt haben. Das Salz hat Alltagsgegenstände wie Werkzeuge und Kleidung konserviert. Moderne Archäolog:innen haben diese Spuren nach und nach gefunden und analysiert.
Hans Reschreiter, Kerstin Kowarik, Bronze Age Mining in Hallstatt. A New Picture of Everyday Life in the Salt Mines and Beyond, in: Archaeologia Austriaca, Vol. 103 (2019), 99–136.