In Brasilien nutzt die indigene Bevölkerung Kautschuk schon lange vor der Industrialisierung. Die europäischen Eroberer berichten, dass sie den Saft des Kautschukbaums zur Herstellung von Bällen verwenden. In Europa weiß man damals aber nicht, was man mit der milchigen Pflanzenflüssigkeit anfangen soll. Das ändert sich erst mit der Erfindung des Radiergummis. Auch die Herstellung von Wärmeflaschen, Rettungsringen und Schuhen weckt das Interesse von Unternehmen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts explodiert die Nachfrage nach Kautschuk: Jetzt beginnt die massenhafte Erzeugung von Reifen für Fahrräder und Autos.
Um 1900 ist die Gummiproduktion zu einem der wichtigsten Industriezweige aufgestiegen. Die hohe Nachfrage lässt die Preise in die Höhe schnellen.
Die englische Kolonialmacht hat keine Lust, hohe Preise für Gummi zu zahlen. Sie will das Monopol brechen und schickt Henry A. Wickham nach Brasilien.
Die Pflanzen aus den gestohlenen Samen gedeihen prächtig in den verschiedenen britischen Kolonialgebieten in Süd- und Südostasien. Sie werden bald in Indonesien, Vietnam und Kambodscha angebaut. Der Plan geht auf: Die brasilianischen Gummibarone bleiben auf dem Kautschuk sitzen. Das „britisch“ produzierte Gummi ist billiger und erobert während und nach dem Ersten Weltkrieg den Weltmarkt.
Julia Carrera